Im Rahmen der Serie Handle with care gibt Roland Rauschmeier Einblick in den Entstehungsprozess seiner Performance Timon, die am 05. Dezember auf der Bühne des studio brut Premiere feiert. Timon ist ein performatives Essay über das Patriarchat und seine emotionalen Auswirkungen auf die männliche Gefühlswelt. Ausgangspunkt ist das Shakespearsche Drama Timon von Athen, in dem sich der Protagonist, nachdem sein sorgfältig gepflegtes Netzwerk aus politisch-wirtschaftlichen Männerfreundschaften versagt, tief enttäuscht und sprachlos aus der Welt zurückzieht. Die Performance wirft die Frage auf, inwieweit unser Bild von Männlichkeit mit Gewalt und Hass verknüpft ist, die im Falle von Timon letztendlich zur Selbstzerstörung führen.
In Shakespeares Drama Timon von Athen schafft sich der wohlhabende Timon ein komplexes System aus Männerbünden und Seilschaften. Durch finanzielle Abhängigkeiten, politische Gefallen und Geschenke erhofft er sich Loyalität und Freundschaft zu erkaufen. Als er jedoch in die finanzielle Krise stürzt, lassen seine vermeintlichen Freunde ihn fallen. In der selbstgewählten Zurückgezogenheit des Waldes entwickelt er sich zum Menschenhasser, in seiner Rage verteufelt er alles und jeden und geht letztendlich an seinem Furor zugrunde. Roland Rauschmeier nimmt die dramatische Vorlage zum Ausgangspunkt einer Reise in die tieferliegenden Strukturen des Patriarchats. Die Performance fokussiert sich auf den gesellschaftlichen Rückzug und die zerstörerischen Kräfte, die Timons Enttäuschung in ihm entfaltet. Das Stück rührt an die sensible Frage, inwieweit unser Männlichkeitsbild Gewalt, Sprachlosigkeit und destruktiven Umgang mit den eigenen Gefühlen befördert.
Roland Rauschmeier studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und lebt und arbeitet als Konzept- und Performancekünstler. Mit der französischen Tänzerin und Choreografin Anne Juren gründete er die Wiener Tanz- und Kunstbewegung. In seiner performativen Praxis setzt sich Roland Rauschmeier immer wieder mit den gesellschaftlichen Auswirkungen einer hegemonialen Männlichkeit auseinander, im brut zuletzt mit seinem Stück Consumption As A Cause Of Coming Into Being gemeinsam mit Alex Bailey.
Die Reihe Handle with care gewährt Einblick in künstlerische Schaffensprozesse, erprobt neue Formate und schafft Raum für Dialog und Austausch. Künstler*innen erproben Teile ihrer Arbeit vor einem kleinen Publikum, erhalten Feedback und machen die Besucher*innen zu Kompliz*innen.
In seiner performativen Praxis setzt sich Roland Rauschmeier unter anderem mit den gesellschaftlichen Auswirkungen einer „hegemonialen Männlichkeit“ auseinander. Vor allem die durch feministische Theorien in den Fokus der Öffentlichkeit gerückten unterdrückenden Machtmechanismen des Patriarchats und deren Hinterfragung sind ihm ein Anliegen. In der relativ jungen „Männerforschung“, einem Teilgebiet der Geschlechterstudien, finden sich zum Teil bedrückende Analysen bezüglich der komplexen Individuation vom Knaben zum Mann, die versuchen, die Grundlagen der unterschiedlichen Männlichkeitstendenzen wissenschaftlich aufzuarbeiten. Fakt ist, dass Gewalt in der Gesellschaft vor allem von Männern ausgeht und man sich die Frage stellen muss, was die Gründe hierfür sind.
Konzept, Umsetzung & Regie Roland Rauschmeier Künstlerische Assistenz Heinz Leitner Sound Pasi Mäkelä Administration Alexander Matthias Kosnopfl
Eine Koproduktion von Wiener Tanz- und Kunstbewegung, und brut Wien.
Mit freundlicher Unterstützung des österreichischen Bundeskanzleramts sowie der Kulturabteilung der Stadt Wien.
brut im WTKB Studio
Pernerstorfergasse 5, 1100 Wien
Bitte anmelden über Ticket-Link. Eintritt frei mit brut-Jahreskarte
barrierefrei
Nordwestbahnstraße 8-10, 1200 Wien
U-Bahn: U1, U2 (Praterstern), U4 (Friedensbrücke), U6 (Dresdnerstraße) Tram: 5 (Nordwestbahnstraße) Bus: 5A (Wasnergasse)
barrierefrei
nicht barrierefrei
Zieglergasse 25, 1070 Wien
U-Bahn: U3 (Zieglergasse), Tram: 49 (Westbahnstraße / Zieglergasse)
nicht barrierefrei
nicht barrierefrei
Eyzinggasse 12, 1110 Wien
U-Bahn: U3 (Gasometer) Bus: 72A (Gasometer), 76A, 76B (Simoningplatz)
nicht barrierefrei