Frontalansicht eines historischen Backsteingebäudes mit gelben Fassadenelementen unter einem klaren blauen Himmel. Über dem Haupteingang steht in großen Buchstaben „ZENTRALBANK“, darunter „Zweigstelle St. Marx“. Die Fassade hat hohe Rundbogenfenster, dekorative Säulen, Wappen und ein kleines rundes Fenster im Giebel. Vor dem Eingang befinden sich ein Metallgeländer, eine erhöhte Terrasse und mehrere Fenster mit Gittern. Die Fassade wirkt teilweise verwittert, mit sichtbaren Putzstellen und renovierungsbedürftigen Bereichen.
Karl-Farkas-Gasse 16 (2020)
© brut Wien

Magazin

Welcome to 1030!

Da ist ein Gebäude. Noch leer. Es steht im 3. Bezirk und wartet darauf, ein Ort zu werden. Es birgt seine eigenen Geschichten, die es noch zu entdecken gilt. Es bietet Raum für Erlebnisse, Austausch und Begegnungen, die es noch zu gestalten gilt. Gemeinsam.

In der Spielzeit 2026/27 werden wir uns im brut intensiv mit den Bedeutungen und vielschichtigen Erfahrungen von Ankunft, Abreise, Vertreibung und verschiedenen Facetten von Transformation auseinandersetzen. In dieser besonderen Spielzeit, in der wir brut nordwest bereits verlassen haben und noch nicht in unserem neuen Zuhause angekommen sind, heißen wir das Vorübergehende als Herausforderung willkommen, die uns hilft, anders zu denken, neue Formate zu entwickeln und offen zu bleiben für Ideen, die vielleicht unmöglich erscheinen, aber dennoch einen Versuch wert sind. Das Programm wird multidisziplinär sein. Es wird dekoloniale, queere und feministische Perspektiven, ökologische Gerechtigkeit sowie künstlerische Praxen, die dominante Narrative hinterfragen und andere Formen des Zusammenlebens entwerfen, ins Auge fassen. Wir hoffen, dass Sie uns bei dieser umfassenden und spannenden Reihe von Erkundungen begleiten.

Die Saison beginnt am 16. Oktober, mit Arbeiten von Mzamo Nondlwana und Amanda Piña. Darauf folgen performative Interventionen von Veza Fernández & Tony Wagner, Catol Teixeira & Chaos Clay und Wojciech Grudziński sowie DJ-Sets von Gawdesque, Seba Kayan und DJ Keshi. Dieser Tag ist nicht nur eine Saisoneröffnung, sondern auch ein erster Einblick in das, was Sie in den kommenden Monaten erwarten wird und wie wir uns diese neue Saison im brut erträumen: mit One-to-One-Formaten und einem neuen Raum, der dieser Praxis gewidmet ist, mit dem studio brut als wichtige Struktur innerhalb des Hauses, mit Platz für prozessorientierte Erfahrungen und mit einem Programm, das Räume für Begegnungen zwischen dem Wiener und dem internationalen Ökosystem der darstellenden Künste schafft.

Das One-to-One-Format ist entscheidend für unsere Herangehensweise an diese Saison des Wandels und des Übergangs. Wir glauben, dass die Zeit, die wir gemeinsam verbringen, das Wertvollste und Großzügigste ist, was wir geben und bekommen können. Warum also nicht diese Zeit mit einer geteilten Erfahrung verbringen – einer Erfahrung, in der die performative Begegnung jeweils einer Person gewidmet wird. In der Spielzeit 2026/27 werden wir One-to-One Performances von Amanda Piña, Doris Uhlich, Alix Eynaudi, Zoë Gudović und Veza Fernández hosten.

Nahaufnahme einer Person, deren Gesicht teilweise von Blumen und Blättern verdeckt ist. Im Vordergrund sind unscharfe violette Blüten, gelbe Blütenblätter und grüne Pflanzen zu sehen. Die Person trägt ein glitzerndes, goldenes Kopfelement und auffälliges Make-up. Im Hintergrund ist ein rotes, dekoratives Objekt mit runden Elementen zu erkennen. Die Bildkomposition wirkt dicht, sinnlich und poetisch, mit starkem Fokus auf Texturen, Farben und florale Details.
Mzamo Nondlawana – Waiting for fall
© Ciwan Veysel M.
Zwei Personen bewegen sich eng aneinander gelehnt in einem hellen, schlichten Raum. Eine Person in einem roten Kleid streckt einen Arm weit nach oben, die andere Person in dunkler Kleidung legt einen Arm über den Kopf. Beide haben die Augen geschlossen oder den Blick abgewandt. Die Körperhaltung wirkt wie eine gemeinsame Tanzbewegung, zwischen Spannung, Nähe und Loslassen.
Veza Fernández & Tony Wagner
© Hanna Fasching
Nahaufnahme eines Gesichts vor einem dunklen, grünlich-grauen Hintergrund. Eine Hand liegt quer über der Stirn und bedeckt ein Auge, während das andere Auge halb geöffnet in Richtung Kamera blickt. Über Stirn, Augenpartie, Wange und Hals läuft eine transparente, glänzende Flüssigkeit. Die nassen Spuren ziehen sich in dünnen Linien nach unten und reflektieren das Licht.
Doris Uhlich – Gootopian Treatment
© Katarina Šoškić
Eine Person in einem hellgrauen Hoodie sitzt auf den Schultern einer zweiten Person und spielt eine weiße E-Gitarre. Die untere Person trägt ein pinkes Top, hält ein Mikrofon und mehrere rote Kabel und beugt den Kopf nach vorne. Die Aufnahme ist eng kadriert und zeigt die Körper der beiden Personen ineinander verschränkt. Im Hintergrund sind Schlagzeugteile und eine niedrige Holzdecke zu erkennen.
Winona Hudec & Lau Lukkarila – I’m a Fan
© Aaron Gaab
Eine Person bewegt sich schwungvoll über eine dunkle Bühne und hält ein großes, glänzendes Stoffstück vor dem Körper. Der Stoff in Gold, Schwarz und dunklem Pink öffnet sich wie ein breiter Fächer und verdeckt Teile des Körpers. Die Person trägt rote hohe Schuhe, ein Bein ist im Schritt nach vorne gesetzt. Rechts steht ein transparenter Stuhl, davor liegen eine Glasflasche mit gelblicher Flüssigkeit auf einem kleinen Tablett, ein graues Tuch und technische Requisiten. Auf der Rückwand sind Projektionen und der große Schatten der Person zu sehen.
Elisabeth Bakambamba Tambwe – HIDING THIS PALE OBJECT OF DESIRE, A PLEASURE
© Markus Gradwohl

Ab Frühjahr 2027 werden wir das neue brut-Gebäude mit einer Reihe von Soft Openings vorstellen. Anstatt ein fertiges Theater zu präsentieren, möchten wir das Gebäude Schritt für Schritt enthüllen und seine Identität durch Begegnungen und künstlerische Praxis entstehen lassen. Während wir mit der Öffnung des Hauses beginnen, werden manche Dinge noch Gestalt annehmen – und genau deshalb wünschen wir uns, dass Sie dabei sind. Um diesen Raum gemeinsam zu sehen, zu riechen, zu erleben und zu bewohnen – auf eine sanfte, organische und behutsame Art und Weise.

In der Saison 2026/27 setzen wir langjährige Kooperationen fort, wie beispielsweise jene mit Bears in the Park, einer wichtigen Plattform zur Förderung aufstrebender Künstler:innen in Wien. Außerdem wollen wir unsere neue Nachbarschaft im 3..Bezirk besser kennenlernen. Gemeinsam mit Inge Gappmaier, Flóra Boros, Verena Herterich, Hannah Schillinger, Lau Lukkarila und Winona Hudec sowie durch Kollaborationen mit dem Neuen Kunstverein Wien und der Arena Wien werden wir vielfältige Verbindungen zum Stadtteil suchen. Mit Doris Uhlich und Adam Man werden wir ebenso weitere spannende Räume jenseits des Theaters erkunden. Darüber hinaus wird die Spielzeit neue Möglichkeiten für Artistic Research im Rahmen von Residencies bieten. In der ersten Runde werden Bita Bell, Elisabeth Bakambamba Tambwe, Olivia Hild und Stina Fors zu Gast sein.

Unser Wunsch für die Zukunft ist, noch mehr internationale Künstler:innen begrüßen zu dürfen. In der Spielzeit 2026/27 werden Sie die ersten Schritte in diese Richtung miterleben können – durch die Anwesenheit von Catol Teixeira und Wojciech Grudziński sowie durch eine Zusammenarbeit mit dem chilenischen Kollektiv Fundación Cuerpo Sur.

Die Weiterentwicklung von Barrierefreiheit bei brut bleibt zentral dafür, wie wir unsere Arbeit mit Publikum, Künstler:innen und Formaten sowie die Identität von brut denken und gestalten – in enger Zusammenarbeit mit Expert:innen in eigener Sache und Communities. Ein Gefühl von Sanftheit und Nahbarkeit wird die Art und Weise prägen, wie wir Künstler:innen und Publikum über die gesamte Saison hinweg zusammenbringen. Dabei nehmen wir uns auch die Zeit, Arbeiten in unterschiedlichen Formen und an verschiedenen Orten zu präsentieren – den Auftakt macht Claire Lefèvre. Dem liegt ein kontinuierlicher Fokus darauf zugrunde, einen gemeinsamen Raum für kritischen, politischen Diskurs zu schaffen – etwa durch Performances von Myassa Kraitt und Malika Fankha.

Wir glauben, dass in einer Zeit von Kriegen, Genoziden, ökologischen Krisen, Artensterben, wirtschaftlicher Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Aggression gegenüber Minderheiten, in einer Zeit, in der die künstlerische Meinungsfreiheit in vielen Ländern zunehmend eingeschränkt wird, kulturelle Institutionen Orte der Freiheit bleiben können. Orte, an denen wir uns austauschen, nachdenken und voneinander lernen sowie gemeinsam eine bessere und gerechtere Zukunft erträumen. Wir glauben, dass das brut ein solcher Ort sein kann.

Ein neues Gebäude ist nie nur ein Gebäude. Es ist eine Möglichkeit. Es kann bestehende Strukturen reproduzieren oder es kann zu einem Raum werden, in dem etwas anderes möglich wird.

Da steht ein Gebäude. Noch leer.

Wir sind bald da.

Tomasz Kireńczuk & das brut-Team

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