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Freude, Trauer und Widerstand als radikale Praktiken
Mzamo Nondlwana im Interview mit brut-Dramaturgin Hanna Steinmair über die Arbeit Waiting for fall
„Der herausforderndste und zugleich bereicherndste Moment ist der, in dem das Publikum nicht mehr nur zuschaut, sondern sich gemeinsam mit uns bewegt.“
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Künstler:innen
Mzamo Nondlwana
Mzamo Nondlwana ist ein:e queere:r, nichtbinäre:r darstellende:r Künstler:in und stammt ursprünglich aus Johannesburg, Südafrika. Deren Arbeit konzentriert sich auf marginalisierte Körper und den Versuch, die koloniale Fantasie zu unterlaufen. 2006 schloss Mzamo Nondlwana die Tanzausbildung am MID (Südafrika) und 2014 am SEAD (Österreich) ab. Dey arbeitete mit Michikazu Matsune, Doris Uhlich, Magdalena Chowaniec, Needcompany und Michael Turinsky und bildet eine Hälfte von Bicha Boo Collective, einem seit 2017 bestehenden audiovisuellen performativen Kollektiv. Mzamo Nondlwana war zuletzt 2024 mit der Produktion Turning Point im brut Wien zu erleben.
Interview
Was hat dich inspiriert? Was war der Ausgangspunkt für das Thema oder wie würdest du die Thematik deines Stücksbeschreiben?
Der Ausgangspunkt war der Wunsch, das Zusammenspiel von queer-feministischen Perspektiven, Körperpolitik und kollektivem Gedächtnis in einer Zeit zu hinterfragen, in der eine politische Zukunft droht, unsere Existenz infrage zu stellen. Mein Aufwachsen in Südafrika und meine Erfahrungen als Migrant:in in Wien haben mein Verständnis von Gemeinschaft geprägt: als lebendiger Organismus, der Raum und Zeit verändern kann. Diesen körperlichen und emotionalen Zuständen wollte ich nachspüren. In diesem Stück fragen wir, wie Freude, Trauer und Widerstand auf der Bühne nebeneinander bestehen können – nicht als passive Reaktionen, sondern als radikale Praktiken.
Hast du einen oder mehrere Lieblingsmomente oder besonders herausfordernde Momente? Warum gerade diese?
Der herausforderndste und zugleich bereicherndste Moment ist der, in dem das Publikum nicht mehr nur zuschaut, sondern sich gemeinsam mit uns bewegt. Das Stück ist als an Momenten als partizipative Performance konzipiert: Das Publikum bleibt nicht sitzen, sondern steht und ist eingeladen, mitzutanzen. So entsteht im Raum die Energie einer Straßenparty oder einer Demonstration. Da es keine räumliche Distanz zwischen Publikum und Performer:innen gibt, entwickelt jede Aufführung ihre ganz eigene Dynamik. Wie das Publikum die Einladung aufnimmt, lässt sich nie ganz vorhersehen. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, haben wir Menschen zu offenen Proben eingeladen und dabei mit großer Freude erlebt, wie gut dieses Format funktioniert und welche Kraft es entfalten kann.
„Freude als Form queer-feministischen Widerstands“
Welche weiteren Fragen oder Themen haben sich durch die Arbeit an dem Stück für dich eröffnet? Woran möchtest du weiterarbeiten?
Die Arbeit an diesem Stück hat für mich neue Fragen rund um langfristige Fürsorge, somatisch dauerhafte Praxen und die Rolle von Freude als Form queer-feministischen Widerstands aufgeworfen. In Zukunft würde ich gerne mit Formaten arbeiten, die sich über längere Zeit erstrecken, mit Klang als Ausgangspunkt für Bewegung experimentieren und erforschen, wie sich diese Themen in nicht-traditionelle Bühnenräume oder gemeinschaftlich gestaltete Installationen übertragen lassen.
Kannst du uns etwas über eure Zusammenarbeit erzählen?
Unsere Zusammenarbeit war geprägt von gegenseitigem Vertrauen, aufmerksamem Zuhören und der Freude am gemeinsamen Experimentieren. In der Arbeit mit dem Team aus Sound, Licht und Dramaturgie konnten wir unsere unterschiedlichen künstlerischen Zugänge miteinander verweben und uns gegenseitig inspirieren. Jede Person hat ihre eigene Perspektive und Energie eingebracht. So ist Schritt für Schritt eine Performance entstanden, die sich wirklich wie eine gemeinsame Arbeit anfühlt.
Hast du ein Ritual?
Bevor ich auf die Bühne gehe, nehme ich mir Zeit für ein körperliches Warm-up, um bei mir anzukommen. Wir nehmen uns außerdem einen Moment, um gemeinsam durchzuatmen und uns als Team zu verbinden und einzustimmen. Ich spüre auch in den Raum hinein und nehme seine Atmosphäre war. Das hilft mir, mich zu sammeln, dem Raum mit Achtsamkeit zu begegnen und mich auf die Performance einzustimmen.