Die Langzeit-Tanzperformance The Season of Narratives untersucht, wie Geschichten Identität und Gesellschaft prägen und unser Verhalten beeinflussen. Das Ladenlokal Der Betrieb unweit der Wiener Stadthalle ist ein barrierefreier Raum mit freiem Eintritt. Das Publikum kommt, bleibt und geht, wie es will. Hier verschmelzen die repetitiven Bewegungen der Tänzer*innen mit gesprochenen Worten. So entsteht ein Raum der Reflexion, in dem Tanz und Text uns einladen, die Rolle von Narrativen neu zu bewerten.
Der Betrieb in einem ehemaligen Ladenlokal im 15. Bezirk ist eine Arbeit initiiert von den Choreograf*innen Alexander Gottfarb und Anna Maria Nowak. In den vergangenen vier Jahren hat sich der Kunstraum mit seinen Langzeit-Tanzperformances zu einem festen Bestandteil der Wiener Kulturlandschaft entwickelt. In der achten Saison erweitern Alexander Gottfarb und seine langjährigen Mitstreiter*innen mit The Season of Narratives ihr choreografisches Repertoire um Texte und erforschen, wie Geschichten Identitäten prägen und Verhalten lenken: Wie schaffen Erzählungen Bedeutung, liefern Handlungsmodelle und beeinflussen das Selbstverständnis? Wo menschliches Handeln doch meist eher aus körperlicher Absicht heraus entsteht als aus Glauben oder Planung. Geschichten können diese Komplexität vereinfachen. Wenn ein Narrativ zu dominant wird, besteht die Gefahr, dass andere zum Schweigen gebracht und Machtstrukturen verstärkt werden. Was die Frage aufwirft, wer ein Narrativ kontrolliert und wessen Stimme ungehört bleibt.
Für The Season of Narratives entwickelt die Autorin Anna Mendelssohn gemeinsam mit den Performer*innen Reden, die persönliche Geschichten mit vorgegebenen Inhalten verweben und untersuchen, wie Narrative entstehen und sich miteinander verflechten. Die Texte werden sowohl als aufgezeichnetes Material als auch als Live-Vorlagen präsentiert und während der Performance mit choreografischen Mitteln verändert. Zudem ist das Publikum eingeladen, sich an der Erkundung zu beteiligen. Besucher*innen können ihre persönlichen Geschichten zu einer gemeinsamen „Kartothek“ hinzufügen und überlegen, wie sich jede Geschichte verändern, vervielfältigen und neu erzählen lässt.
Der Betrieb ist ein 2022 von den Choreograf*innen Alexander Gottfarb und Anna Maria Nowak gegründeter Kunstraum im 15. Wiener Bezirk. Er entstand aus dem Wunsch heraus, eine Alternative zu kommerziellen Räumen wie Geschäften, Kaffeehäusern oder Schönheitssalons zu bieten. Der Betrieb ist ein Ort des Miteinanders, an dem das Publikum kostenlos willkommen ist und sich Zeit nehmen kann, um zuzusehen, zu reflektieren und selbst aktiv an Tanz und künstlerischer Gestaltung teilzunehmen.
Alexander Gottfarb ist ein schwedischer Tänzer und Choreograf, der in Wien lebt. Seine Arbeiten thematisieren Wiederholung, Transformation und Dauer. Seit 2008 leitet er gemeinsam mit Anna Maria Nowak den Verein Archipelago, seit 2022 Der Betrieb. Er ist Gründungsmitglied von The Loose Collective und Arbeitsplatz Wien. Zu seinen jüngsten Kooperationspartner*innen außerhalb von Der Betrieb zählen Björn Säfsten, Alex Deutinger und die Gruppe toxic dreams.
Künstlerische Leitung Alexander Gottfarb Choreografie & Tanz Stella Covi, Alexander Gottfarb, Jolyane Langlois, Raul Maia, Anna Maria Nowak, Lena Schattenberg Text Anna Mendelssohn in Zusammenarbeit mit den Performer*innen Musik & Komposition Stephan Sperlich Kostüm Karin Pauer Technische Unterstützung Roman Harrer Produktion & Management mollusca productions Administration Takelage Grafikdesign Katarina Schildgen, Paul Gasser Fotos Victoria Nazarova Videodokumentation Ulrich Reiterer, Patrick Topitschnig
Eine Koproduktion von Archipelago und brut Wien
Gefördert von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) und dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS)
Der Betrieb
Vogelweidplatz 13, 1150 Wien
Content Notes
Das Publikum bewegt sich frei im Raum, es gibt Sitzmöglichkeiten.